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Monitoring-Kennblatt 2190 - FFH-LRT - Feuchte Dünentäler (Stand: 2010-05-11)

1 Allgemeines

1.1 Themenbereich

Biologisches Monitoring - Habitate - 2190 - FFH-LRT - Feuchte Dünentäler

1.2 Definition



1.2.1 EU-Definition

Humid dune slacks

Humid depressions of dunal systems. Humid dune-slacks are extremely rich and specialised habitats very threatened by the lowering of water tables.

Sub-types :

16.31 - Dune-slack pools (Charetum tomentosae, Elodeetum canadense, Hippuridetum vulgaris, Hottonietum palustris, Potametum pectinati): fresh-water aquatic communities (cf. 22.4) of permanent dune-slack water bodies.

16.32 - Dune-slack pioneer swards (Juncenion bufonii p.: Gentiano-Erythraeetum littoralis, Hydrocotylo-Baldellion): pioneer formations of humid sands and dune pool fringes, on soils with low salinity.

16.33 - Dune-slack fens: calcareous and, occasionally, acidic fen formations (cf. 54.2, 54.4, in particular 54.21, 54.2H, 54.49), often invaded by creeping willow, occupying the wettest parts of dune-slacks.

16.34 - Dune-slack grasslands: humid grasslands and rushbeds (see 37.31, 37.4) of dune-slacks, also often with creeping willows (Salix rosmarinifolia, Salix arenaria).

16.35 - Dune-slack reedbeds, sedgebeds and canebeds: reedbeds, tall-sedge communities and canebeds (cf. 53.1, 53.2, 53.3) of dune-slacks.

1.2.2 Nationale Definition

Nasse bis feuchte, zum Teil sommertrockene, grund-, regen- und/oder zeitweise brackwasserbeeinflusste Senken, Mulden, Talsysteme und Randbereiche in Küstendünengebieten mit nährstoffarmen Verhältnissen auf sandigen, in Dünentälern der Inselgeest und an der Ostsee zum Teil auch sandig-kiesigen und etwas basenreicheren Böden. Je nach Hydrologie, Dynamik und Sukzession sind feuchte Dünentäler in Schleswig-Holstein nahezu vegetationsfrei (z.B. primäre Täler in Weißdünenkomplexen) oder werden unter anderem von halophytenhaltigen Pionierformationen auf feuchtem Sand, an und in temporären und ausdauernden Gewässern, von Zwergbinsen- und Strandlingsfluren, feuchten Zwergstrauchheiden und Magerrasen, Anmoor-, Moor- und Sumpfvegetation, Feuchtgrünland, Röhrichten, Seggenrieden eingenommen. Die Pflanzendecke ist offen-lückig bis dicht, oft niedrig, aber auch zum Teil gehölzreich mit vor allem Zwergsträuchern und Kriechweide. Die Vegetationstypen können nebeneinander, in vielfältigen Komplexen oder in Sukzession nacheinder vorkommen; vielfach auch in enger Verzahnung mit anderen Lebensraumtypen der Küstendünen.

1.2.3 Kartieranleitung

Abgegrenzt werden feuchte bis nasse Dünentäler der Küstendünen und deren süß- und/oder salzwasserbeeinflusste Randbereiche mit aquatischer, amphibischer oder terrestrischer Vegetation der aufgeführten Biotoptypen / Syntaxa, einschließlich der im Gelände auftretender Übergänge, Komplexe und Verzahnungen.

Die Abgrenzung erfolgt anhand des Vorkommens hydrophiler, Feuchte oder Wechselfeuchte bzw. -nässe anzeigenden Vegetationstypen und / oder Pflanzenarten.

Abgrenzung zu anderen Lebensraumtypen:

1150: Höchstens zeitweise oder selten brackwasserbeeinflusste Mulden und Täler, keine dauerhaften Brackwasserverhältnisse

2170: Keine flächigen Bestände der Kriechweide. Diese kann allerdings zum Teil auch erheblich an den Beständen der Dünentalgesellschaften beteiligt sein. Insofern sollen Kriechweiden-Gebüsche in feuchten Dünentälern mit zahlreichen Feuchtezeigern (z.B. Carex nigra, Epipactis palustris) im Zweifelsfall zu 2190 gestellt werden.

1.3 Zuständige Behörde(n)

Mecklenburg-Vorpommern: LUNG
Niedersachsen: NLWKN, NLPV NI
Schleswig-Holstein: LKN-SH, LLUR

1.4 Arbeitsgruppe

Ad-hoc-AG Lebensraumtypen

2 Überwachungsanforderungen

2.1 Notwendigkeit

FFH [1]

Artikel 11 [2]

Bemerkung

"Die Mitgliedstaaten überwachen den Erhaltungszustand der in Artikel 2 genannten Arten und Lebensräume, wobei sie die prioritären natürlichen Lebensraumtypen und die prioritären Arten besonders berücksichtigen."

Diese Vorschrift beschränkt sich nicht auf NATURA 2000-Gebiete, sondern auch LRT außerhalb der FFH-Gebiete sind in die Überwachung mit aufzunehmen.

Artikel 17 [3]

Bemerkung

"Alle sechs Jahre … erstellen die Mitgliedstaaten einen Bericht über die Durchführung der im Rahmen dieser Richtlinie durchgeführten Maßnahmen. Dieser Bericht enthält … die wichtigsten Ergebnisse der in Artikel 11 genannten Überwachung."

Artikel 17 regelt die Durchführung der Berichtspflichten allgemein. Das HabDoc 04-03-03 (EUROPEAN COMMISSION 2006) gibt weitere inhaltliche Vorgaben und Leitlinien.

TMAP [4]

Wattenmeerplan (Stade-Deklaration 1997)

Bemerkung

Auf der achten Trilateralen Regierungskonferenz der drei Wattenmeer-Anrainer Dänemark, Deutschland und Niederlande wurde der Trilaterale Wattenmeerplan verabschiedet. Er steht unter dem Leitgedanken, so weit wie möglich ein natürliches und sich selbst erhaltendes Ökosystem zu erreichen, in dem natürliche Prozesse ungestört ablaufen können. Darin werden gemeinsame Schutzziele formuliert, u.a. für Wasser und Sedimente, Strände, Dünen, Salzgrünland und Meeressäuger. Zur Erreichung dieser Ziele werden Projekte und Maßnahmen entwickelt. Das Trilaterale Monitoring- und Bewertungs-Programm (TMAP) ist seit 1994 das Instrument, um den Fortschritt beim Erreichen der Ziele wattenmeerweit verfolgen zu können. Untersucht werden physikalische, chemische, biologische und sozioökonomische Messgrößen (vgl. CWSS & TMAG 2004).

2.2 Umweltziele

FFH

Wahrung oder gegebenenfalls Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands des LRT 2190. durch Erhaltung, Wiederherstellung, gegebenenfalls auch Entwicklung

  • feuchter und nasser Dünentäler
  • der lebensraumtypischen Strukturen und Funktionen
  • der ungestörten hydrologischen Verhältnisse, insbesondere des Grundwasserhaushaltes
  • der nährstoffarmen Verhältnisse
  • der dynamischer Dünen- und Dünentalbildungsprozesse
  • der Mosaikkomplexe mit anderen chrakteristischen Lebensräumen und der Kontaktlebensräume wie z.B. Gewässer, Feuchtheiden, Dünenheiden oder Gebüsche

TMAP

Für ältere Küstendünen wurden folgende Ziele (targets des Wadden Sea Quality Status Reports 2004) definiert:

  • Eine zunehmende Präsenz einer vollständigen natürlichen Vegetationsentwicklung
  • Günstige Bedingungen für Brut- und Zugvögel.

2.3 Gefährdung

Bestehende wesentliche Beeinträchtigungen entsprechend Angaben des nationalen Berichts gemäß Artikel 17 FFH-Richtlinie für den Berichtszeitraum 2001 - 2006 (BMU 2008):

  • Neuaufforstung, Wiederbewaldung, Anpflanzung nicht autochthoner Arten
  • Siedlungsgebiete, Urbanisation, Zersiedlung (Streusiedlung)
  • Verkehrswege und -anlagen
  • Sport- und Freizeiteinrichtungen, Camping- und Caravanplätze
  • Sonstige Freizeit- und Tourismusaktivitäten
  • Trittbelastung (Überlastung durch Besucher)
  • Sonstige Umweltverschmutzungen, menschliche Eingriffe und Nutzungen
  • Änderung des hydrologischen Regimes und Funktionen
  • Deiche, Aufschüttungen, künstliche Strände
  • Küstenschutzmaßnahmen (Tetrapoden, Verbau)
  • Einwanderung neuer Arten

2.4 Räumliche Zuordnung

Die Feuchten Dünentäler liegen auf Grund der Definition nur randlich zu den Küstengewässern. Abhängigkeiten des zu monitorenden Erhaltungszustandes der Feuchten Dünentäler als Teil eines Dünenkomplexes (siehe Bemerkung bei 4.1) bestehen bei entsprechender Lage bei Flut-/Hochwasserereignissen.


  AWZ 12 sm-Zone Küstengewässer 1) Übergangsgewässer
MSRL - - - -
VRL - - - -
FFH - - x -
WRRL - - - -
HELCOM - - - -
OSPAR - - - -
TMAP - - x -

1) bei WRRL: Basislinie plus eine Seemeile

3 Messkonzept

3.1 Beschreibung des Messnetzes

Grundlage ist das auf Bundesebene für die terrestrischen LRT erarbeitete "Konzept zum Monitoring des Erhaltungszustandes von Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland" (Ergebnis F+E-Vorhaben) (SACHTELEBEN, BEHRENS et al ,2009).

Danach ist für diesen LRT ein Totalzensus durchzuführen.

Nordsee

An der Nordseeküste gibt es 9 Vorkommen in Niedersachsen und 6 in Schleswig-Holstein. Im Bereich Hamburg kommt der LRT nicht vor.

Ostsee

An der Ostseeküste gibt es jeweils 8 Vorkommen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Abgrenzung erfolgte für geografisch/topografisch abgrenzbare Räume, in der Regel Inseln oder Inselteile und /oder Küstenabschnitte orientiert an vorgelagerten Wasserkörpern (gemäß WRRL).

Zur Festlegung des Messnetzes siehe unter 3.2.

3.2 Monitoring-Aktivitäten

Nord- und Ostsee

Erfassung und Auswertung von Feuchten Dünentälern (2190)

Methoden:

Zielgrößen sind Status Quo und Trends von:

  • Vorkommen, Verbreitungsgebiet (Range) und Flächengröße
  • LRT-typisches Artenspektrum und ökologische Strukturvielfalt

Unter Feuchten Dünentälern mit ähnlichen biotischen und abiotischen Bedingungen können repräsentative Vorkommen ausgewählt werden. Die Beprobungsstrategie muss eine Aussage über den ökologischen Zustand des LRT, der sich gewöhnlich aus unterschiedlichen Biotopen zusammensetzt, ermöglichen.

Zum Einsatz kommen sollte ein Grundmonitoring mit grobem Raster, sofern sich die Arten und Lebensräume in einer guten, stabilen Situation befinden, jedoch ein Bedarfsmonitoring (intensivere Beprobung), sobald Probleme auftauchen, um das Ausmaß der Problematik überblicken und adäquat reagieren zu können.

Messkonzept:

Flächendeckende Erfassung des Gesamtbestands hinsichtlich Verbreitung (range) und Flächengröße (area). Auswahl und dauerhafte Festlegung repräsentativer Probeflächen bzw. Transekte zur detaillierten Erfassung qualitativer Parameter (s.u.).

Grundmonitoring und Festlegung des Messnetzes

Zur Bewertung der Kenngrößen "Verbreitungsgebiet" und "Flächengröße" erfolgt eine flächendeckende Erhebung der Lebensraumtypen im Rahmen der sechsjährigen Berichtsintervalle. Diese erfolgt sowohl an der Nord- als auch der Ostsee auf Grundlage der Biotop-Kartierschlüssel der Länder und/oder auf der Grundlage der TMAP-Typologie und dem dazugehörenden Kartierschlüssel. Vorrangiges Ziel ist die länderübergreifend einheitliche Ansprache und Bewertung der FFH-Lebensraumtypen.

Entsprechend dem Kenntnisstand über die Veränderungen in bestimmten Bereichen kann eine luftbildgestützte Überprüfung der bekannten Vorkommen im Wechsel mit einer flächendeckenden terrestrischen Erfassung ausreichend sein. Das liegt in der Entscheidung der jeweiligen Länderfachbehörden.

Zur Erfassung der qualitativen Kenngrößen (charakteristische Strukturen, Funktionen und Arten, Beeinträchtigungen) werden repräsentative Erhebungsflächen entlang von Transekten eingerichtet und erfasst bzw. Transekte insgesamt erfasst (allgemeine Aussagen zur Festlegung von Erhebungsflächen siehe SACHTELEBEN & BEHRENS 2009). Aufgrund des Totalzensus muss jedes Dünenheide-Vorkommen durch mindestens einen Transekt abgedeckt werden. Die Transekte bzw. die darin gelegenen Erhebungsflächen repräsentieren das jeweilige Vorkommen hinsichtlich Ausprägungstyp, Variabilität und Erhaltungszustand (Auswahlkriterien: topografische, geomorphologische und standörtliche Situation, Struktur und Größe). In diesen Flächen werden die Daten erfasst, die für die Bewertung der im Bewertungsschema genannten Kriterien erforderlich sind (s.u.). Die Zahl der Transekte und die darin festgelegten Erhebungsflächen müssen ausreichen, um die Varianz der Ausprägungen und Erhaltungszustände qualitativ und quantitativ hinreichend abzubilden. Die Größe der einzelnen Bestände soll in der Regel ca. 1.000  nicht unterschreiten; die Festlegung der Fläche orientiert sich an der Form und Größe des im Rahmen der flächendeckenden Kartierung abgegrenzten Bestandes. Ausnahme: kleinere Bestände besonderer Bedeutung und Repräsentativität (siehe Auswahlkriterien).

Die Transekte verlaufen i.d.R. senkrecht zur Küstenlinie, um die Standortabfolge optimal zu repräsentieren. Je nach Größe des Vorkommens bzw. der Vorkommens-Komplexe kann die Größe der Erhebungsflächen von einzelnen, fest eingemessenen Dauerflächen über mehrere große und räumlich festgelegte Erhebungsflächen entlang von Transekten, bis zu Transekten insgesamt reichen. Bei kleinen Vorkommen an der Festlandsküste der Nordsee und an der Ostsee ist ggf. auch die Vollflächenerfassung eines Vorkommens möglich. Das Verfahren der "Structured Walks" kann dabei zum Einsatz kommen. Die Transekte umfassen ggf. alle Lebensraumtypen des jeweiligen Küsten- bzw. Inselabschnitts. Auf diese Weise können die natürlichen Übergänge und die dynamischen Veränderungen am besten in die Bewertung einfließen.

Die Erhebungsflächen in den Transekten bzw. die Transekte sind durch GPS mit einer möglichst hohen Lagegenauigkeit (ca. 1 - 5 m) einzumessen, so dass sie bei den Wiederholungskartierungen wieder aufgenommen werden können. Bei erheblichen Veränderungen der Gebiete müssen die Abgrenzungen der Transekte bzw. Erhebungsflächen ggf. angepasst werden. Die Länge der Transekte kann in Bereichen mit Anwachs zunehmen oder sich bei Abbruch verkürzen.

Frequenzen:

Die Frequenz für die Aufnahmen der Transekte bzw. Erhebungsflächen reicht von 1 Mal jährlich bis 1 Mal pro Berichtszeitraum. In Abhängigkeit von der tatsächlichen Veränderungsdynamik am jeweiligen Standort ist im letztgenannten Fall gegebenenfalls eine Intensivierung des Erhebungsrhythmus vorzunehmen. Die konkrete Festlegung der Transekte und Erhebungsflächen sowie die gegebenenfalls abweichende Festlegung des Erhebungsrhythmus liegen in der Entscheidung der jeweiligen Länderfachbehörden.

Für die Gesamtbewertung des jeweiligen LRT-Vorkommens werden die Ergebnisse der einzelnen Erhebungsflächen zusammengeführt sowie unter Einbeziehung der flächendeckenden Kartierung die Bewertung des Erhaltungszustandes des LRT für die jeweilige biogeografische Region vorgenommen (siehe SACHTELEBEN & BEHRENS 2009).

Parameter:
  • Ausprägung des Biotopkomplexes (Repräsentanz aller charakteristischen Vegetationstypen/Sukzessionsstadien)
  • Beeinträchtigungen (nach standardisierter Liste)
  • Beeinträchtigungs- und Gefährdungsfaktoren
  • Dünen- und Vegetationsstruktur
  • LRT-typisches Arten- und Vegetationstypen-Spektrum und Strukturvielfalt
  • Pflanzenarten, Flächengröße des LRT
  • TMAP-Einheiten und Biotoptypen nach Kartierschlüssel der Länder (für Verbreitungsgebiet und Flächengröße)
  • Verbreitungsgebiet (range) und Flächengröße (area)

3.3 Zusätzliche Parameter

 

4 Bewertung

4.1 Bewertungsverfahren

Nord- und Ostsee

Titel

FFH-LRT - Feuchte Dünentäler (2190)

Autor

(KRAUSE et al 2008)

Richtlinie:

FFH

Bemerkung:

Auf der Rahmenvorgabe des "Pinneberger Schemas" im Bund-Länder-Arbeitskreis "FFH-Berichtspflichten Meere und Küsten" erarbeitetes Bewertungsschema (Stand: 27.5.2008)

Die Bewertungsschemata für die marinen und Küsten-Lebensraumtypen (LRT) des Anhangs I der FFH-Richtlinie sind Grundlage für die Erfüllung der Monitoring- und Berichtspflichten gemäß Artikel 11 und 17 (weiter spezifizierte Vorgaben gemäß EUROPEAN COMMISSION, DG ENVIRONMENT (2006)).

Die unter dem Bewertungskriterium "Vollständigkeit des lebensraumtypischen Arteninventars" aufgelisteten lebensraumtypischen Arten sollen das funktionale Gefüge eines LRT widerspiegeln, da dieses nicht anderweitig evaluiert wird. Da "lebensraumtypische Arten" in verschiedenen LRT vorkommen können, sind sie nicht mit "Charakterarten" gleich zu setzen.

Die hier aufgeführten Artenlisten sind nicht abschließend. Ergänzungen und Streichungen um neueren Erkenntnissen gerecht zu werden bleiben möglich. Für die Kartierungen der jeweiligen Vorkommen müssen die Artenlisten an die regionalspezifischen Gegebenheiten angepasst werden. Auch die unter einigen Habitat- und Beeinträchtigungsparametern angegebenen Schwellenwerte müssen gegebenenfalls regionalspezifisch festgelegt werden.

Die lebensraumtypischen Arteninventare der LRT stellen eines der wesentlichen zu beurteilenden Schutzgüter für die Berichtspflichten an die Europäische Union dar. Gleichwohl muss für die einzelnen lebensraumtypischen Arten kein gesondertes Artenmonitoring durchgeführt werden, sondern sie sind als Indikator für den Erhaltungszustand des jeweiligen LRT zu bewerten. Hierfür sind Informationen zur Präsenz der Arten ausreichend. Abundanzen, Trends und so weiter können zur Unterstützung fakultativ eingeholt werden.

Zur Bewertung von Küstendünen (LRT 2110 - 2190):

Die Küstendünen sind in neun verschiedene LRT gegliedert, die bestimmten Sukzessionsstadien entsprechen und häufig eng verzahnte Biotopkomplexe bilden, die (im Idealfall) durch eine hohe Dynamik der Standort- und Vegetationsentwicklung gekennzeichnet sind.

In Dünengebieten, die uneingeschränkt den natürlichen Prozessen von Akkumulation und Erosion unterliegen ist es daher weder sinnvoll noch überhaupt möglich, einen bestimmten Dünen-LRT an einer bestimmten Stelle in einem bestimmten Zustand zu erhalten. Der günstige Erhaltungszustand ist vielmehr von den Dynamischen Prozessen abhängig, die innerhalb eines größeren Gebietes ständig neue Pionierstadien (Primärdünen oder junge, noch salzbeeinflusste Dünentäler) schaffen, während auf anderen Teilflächen die Sukzession zu älteren Stadien voranschreitet, deren Endstadium Wälder sein können (LRT 2180), sofern der Prozess nicht durch Extremereignisse wieder neu in Gang gesetzt wird. Wenn in einem derartigen natürlichen Dünengebiet alle jeweils relevanten LRT ständig in ihren verschiedenen Ausprägungen ausreichend vorkommen (mit mehr oder weniger wechselnden Flächenanteilen), sind die LRT dieses Komplexes dem Erhaltungszustand A zuzuordnen. Es wäre dabei nicht zielführend, einzelne Dünen für sich zu bewerten. Vielmehr sollten im Zuge der Ersterfassungen zusammenhängende Dünengebiete mit einheitlichen Rahmenbedingungen abgegrenzt werden, die die Bewertungseinheiten bilden. Diese Bewertungsräume sollen maximal eine Insel oder das Dünengebiet eines bestimmten Küstenabschnittes umfassen. Im Rahmen des Monitorings können dann die Anteile und Ausprägungen der LRT innerhalb dieser Bewertungsräume durch geeignete Verfahren (z.B. Luftbildauswertung in Verbindung mit der terrestrischen Aufnahme von Transekten) ermittelt und summarisch bewertet werden.

Dünenbereiche, deren natürliche Dynamik - meist durch Maßnahmen des Küstenschutzes - stark eingeschränkt ist, sollten gesondert betrachtet werden. Hier ist grundsätzlich eine fortschreitende Alterung der Dünen festzustellen. Selbst wenn die einzelne Düne beziehungsweise das einzelne Dünental noch eine typische, gut ausgeprägte Vegetation (z.B. einen flechtenreichen Silbergras-Graudünenrasen beziehungsweise ein Schilfröhricht) aufweist, ist eine Abwertung notwendig, falls jüngere Stadien im jeweiligen Gebiet zurückgehen beziehungsweise auf Grund der anthropogenen Rahmenbedingungen inzwischen fehlen. Wenn nur noch ältere Entwicklungsstadien vorkommen würden, wäre der Verlust bestimmter LRT (z.B. 2110 Primärdünen) oder eines erheblichen Teil der typischen Arten der LRT die Folge, sofern dem nicht durch Pflegemaßnahmen zur Wiederherstellung von Pionierstadien oder Entwicklungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der natürlichen Dynamik begegnet wird. Den jüngeren Stadien kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie Habitate der meisten Arten sind, die nur oder vorwiegend auf Küstendünen vorkommen. Dagegen weisen die ältesten Stadien von Küstendünen und -dünentälern (Calluna-Heide, Wälder, Grauweiden-Gebüsche unter anderem) zumindest bei den gut untersuchten Artengruppen keine oder nur wenige Küstenspezialisten auf.

Demgemäß ist in stark anthropogen beeinflussten Dünenbereichen die genauere Betrachtung der einzelnen LRT erforderlich, wobei auch hier nicht die einzelne Düne, sondern der zusammenhängende Gesamtkomplex des jeweiligen LRT bewertet werden sollte. Nur so kann die Repräsentanz aller Entwicklungsstadien angemessen berücksichtigt werden.

Für die Bewertung Naturraum / Länder spezifischer Ausprägungstypen des LRT dienen ergänzend die von den Länderfachbehörden erarbeiteten LRT-Steckbriefe und Bewertungsschemata.

Bewertungsschema

5 Qualitätssicherung

Bemerkung

Die beteiligten Einrichtungen streben den Aufbau einheitlicher QS-Standards an.

5.1 Messende Einrichtungen

5.2 Leitfäden

  • Der Rat der Europäischen Gemeinschaften, 1992: Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften, Reihe L 206: 7 - 50
  • Drachenfels, O. v., 2004: Kartierschlüssel für Biotoptypen in Niedersachsen unter besonderer Berücksichtigung der nach § 28a und § 28b NNatG geschützten Biotope sowie der Lebensraumtypen von Anhang I der FFH-Richtlinie, Stand März 2004. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. H. A/4, 240 S.
  • European Commission, DG Environment, 2006: Assesment, monitoring and reporting under Article 17 of the Habitats Directive - Explanatory Notes & Guidelines, Final Draft
  • European Commission, DG Environment, 2007: Interpretation Manual of European Union Habitats.
  • Krause, J., Drachenfels, O.V., Ellwanger, G., Farke, H., Fleet, D.M., Gemperlein, J., Heinicke, K., Herrmann, C., Klugkist, H., Lenschow, U., Michalczyk, C., Narberhaus, I., Schröder, E., Stock, M. und K. Zscheile (2008): Bewertungsschemata für die Küsten- und Meereslebensraumtypen der FFH-Richtlinie. Ergebnis Bund-Länder-Arbeitskreis "FFH-Berichtspflichten Meere und Küsten", Stand: 27.05.2008
  • Landesamt für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein, 2007: Hinweise zur Bewertung des Erhaltungszustandes von FFH-Lebensraumtypen in Schleswig-Holstein, 1. Fassung, Juli 2007.
  • Landesamt für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein, 2007: Steckbriefe und Kartierhinweise für FFH-Lebensraumtypen in Schleswig-Holstein. 1. Fassung, Mai 2007
  • Sachteleben, J., Behrens M. et al., 2009: Konzept zum Monitoring des Erhaltungszustandes von Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. - Ergebnisse des F+E-Vorhabens "Konzeptionelle Umsetzung der EU-Vorgaben zum FFH-Monitoring und Berichtspflichten in Deutschland" (Stand: November 2008) im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz
  • TMAP Handbuch

5.3 Normen

  • Gegebenenfalls von der QS-Stelle des UBA zu ergänzen

5.4 Ist-Stand

 

6 Literatur

 

7 Aufgaben zur Umsetzung des Konzeptes

7.1 Änderungen im aktuellen Messprogramm

Die Überwachung des FFH-LRT Feuchte Dünentäler (2190) muss entsprechend der in Kapitel 3. und 4. beschriebenen Methodik durchgeführt werden.

7.2 Erforderliche Arbeitsschritte

Schwerpunkte

  • Datenmanagement: GIS und Datenbanken der Länder, künftiges Datenblatt des BfN, Fortschreibung der Standarddatenbögen
  • Abschließende Zusammenführung vorliegender LRT-Vorkommen-shapes (zur Zeit noch Fehl bei Mecklenburg-Vorpommern)
  • Festlegung der Transekte / Erhebungsflächen in Schleswig-Holstein (erfolgt im Rahmen beziehungsweise im direkten Nachgang zum derzeit laufenden FFH-LRT-Monitoring beziehungsweise in Schleswig-Holstein erweiterten TMAP-Verfahren; Abschluss in 2012) sowie in Mecklenburg-Vorpommern.
  • Auswertung im Hinblick auf Managementpläne und/oder notwendige Maßnahmen

8 Historie

Datum Verantwortlich Kommentar
2010-01-18 Frank Reiners Aktualisierung der Datenbank mit folgenden Änderungen: Kennblatt neu angelegt mit Daten von Jürgen Gemperlein vom 30.11.2009
2010-05-11 Frank Reiners Aktualisierung der Datenbank mit folgenden Änderungen: Änderung von Jürgen Gemperlein vom 29.4.2010 eingearbeitet

Fußnoten

(1) RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen

(2) Artikel 11 (Überwachung der Lebensräume und aller Arten gemäß Anhang II, IV und V) ist eine Verpflichtung, für alle Lebensräume (gemäß Anhang I) von gemeinschaftlichem Interesse den Erhaltungszustand zu überwachen. Infolgedessen beschränkt sich diese Vorschrift nicht auf NATURA 2000-Gebiete, sondern auch LRT außerhalb der FFH-RL-Gebiete sind gegebenenfalls in die Überwachung mit aufzunehmen.

(3) Artikel 17 regelt die Durchführung der Berichtspflichten. Verbindliche Berichtspflichten aus der FFH-RL an EUCOM (Artikel 11 & 17).

(4) Die Überwachungsanforderungen im Rahmen von TMAP sind im Wattenmeerplan (Sylt, 2010) festgelegt worden (Siehe auch TMAP-Manual Chapter 2.